Vierter Monat

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02.07.2012 (Tag 92): Das Thema Tropfen lässt mich nicht los. Ein weiterer Versuch. Das Licht kommt von etwa 2 Uhr und bringt Tropfen und Flasche zum Leuchten. Viele Versuche waren für dieses Foto notwendig, weil sich der Bildaufbau nicht vorhersagen ließ. Das Bild ist nicht beschnitten.
03.07.2012 (Tag 93): Ich wollte nochmal was mit Gegenlicht machen. Die erste Gegenlichtsituation, die mir einfiel, war die eines Verhöres, wie man sie in Filmen immer sieht.
04.07.2012 (Tag 94): Ich lese gerade zum zweiten Mal „Schärfe Deinen Blick: Außergewöhnliche Portraitfotografie“ von Roswell Angier. Das schöne an dem Buch: Es gibt praktische Übungsaufgaben. Übung Nr. 2: Mache ein Portrait, auf dem das Gesicht des Portraitierten nicht zu sehen ist.
05.07.2012 (Tag 95): Wenn man sich neue Schuhe kauft, sind die doch meist mit Papier oder so einem Zeug ausgestopft, damit sie schön aussehen. Ich habe kürzlich Schuhe gekauft, da war so eine Art Pappfuß drin. Die Pappfüße konnte ich nicht einfach wegwerfen, sondern habe sie erst mal in meine Kiste mit den noch zu fotografierenden Dingen getan. Man nehme also einen Pappfuß (geht sicher auch mit zerknüddeltem Papier), ziehe eine Socke drüber, stopfe das Ganze in einen Schuh und stecke ein Einbein-Stativ mit hinein. Dann zieht man selbst den zweiten Schuh an, stellt sich auf einem Bein vor die Kamera und stützt sich auf dem Einbeinstativ ab. Dann auslösen.
06.07.2012 (Tag 96): Auch heute war es wieder sehr schwer, sich für ein Foto zu entscheiden. Ich war auf Fototour unterwegs, als ein heftiges Gewitter aufzog. Unter einer Brücke waren ich und meine Ausrüstung vor dem Regen sicher und ich konnte ungestört Gewitterwolken fotografieren. Entschieden habe ich mich dann aber doch für Bild ohne dunkle Wolken.
07.07.2012 (Tag 97): Heute war wieder ein Tag mit vielen guten Fotos. Entschieden habe ich mich für dieses Bild mit Wisch-Effekt und einer Belichtungszeit von 500 Sekunden.
08.07.2012 (Tag 98): Kopfbahnhöfe haben den Vorteil: Wer am weitesten läuft, findet die meisten Sitzmöglichkeiten.
09.07.2012 (Tag 99): Heute war wenig Zeit zum Fotografieren. Zum Glück fuhr ich abends dann doch noch an dieser Phantom vorbei. Der Bildaufbau war nicht einfach, da sie am Rand eines Gewerbegebietes steht und viel herumsteht, was vom Motiv ablenkt (Ampeln, Discouter,…) Außerdem war das Ding eingezäumt.
10.07.2012 (Tag 100): Beim Warten auf die Fähre habe ich mir die Zeit mit Fotografieren vertrieben.
11.07.2012 (Tag 101): Auf meiner Fotoliste steht: Kamera an einem Stativ befestigen und dann hochhalten. Also habe ich gleich einmal von oben durch den Basketball-Korb fotografiert.
12.07.2012 (Tag 102): Die Sonne zeigt sich heute doch noch. Also gleich mal raus und ein Foto machen. Ich entscheide mich, mein Holga HL-C Objektiv aufzuschauben. Das alleine macht schon unscharfe Bilder. Mit einem leichten Wischer wird’s noch abstrakter.
13.07.2012 (Tag 103): Nochmal ein Foto mit einem Holga HL-C Objektiv. Angeblich mit einer festen Blende von 8 braucht das Objektiv einiges an Licht. Also habe ich gleich voll reingeblitzt. Farbstich und Vignette – alles echt.
14.07.2012 (Tag 104): Das heutige Bild ist mal wieder ein Selbstportrait – diesmal auf dem Fahrrad. Zur Erstellung: Man nehme einen Fahrradanhänger und befestige die Kamera per Gorilla-Pod an der Deichsel. Dann wird der Zeitauslöser aktiviert und man kann losfahren.
15.07.2012 (Tag 105): Eine Windmühle bietet reichhaltige Motive. Das Problem des heutigen Tages war also: Welches Bild nehme ich bloß für mein Projekt? Die Auswahl fällt schwer.
16.07.2012 (Tag 106): Ein Beitrag zum Thema „Auf Augenhöhe fotografieren“. Heute: Der Vileda-Wischmopp.
17.07.2012 (Tag 107): Zu tief ins Glas geschaut, könnte man sagen. Ich habe ein Glas ans Objektiv gehalten und ein wenig herumexperimentiert. Die besten Ergebnisse gab es mit dem Glasboden zum Motiv und Fokus etwa auf dem Glasboden.
18.07.2012 (Tag 108): Inspiriert von dem Film „Restless“ von Gus Van Sant. Um den voyeuristischen Eindruck zu verstärken habe ich einen Aufsteckblitz verwendet und mit einer kurzen Verschlusszeit den Einfluss des Umgebungslichtes reduziert. An der optischen Qualität des Blutes muss ich noch arbeiten. Oder kennt jemand ein gutes Rezept für den Hausgebrauch?
19.07.2012 (Tag 109): Im Keller unseres Ateliergebäudes gibt es ein altes Schlüsselbrett. Beleuchtet habe ich es mit einer Kerze.
20.07.2012 (Tag 110): Wegen diesem Foto konnte ich gestern nicht einschlafen. Ich dachte, ich probiere mal eine High-Key Aufnahme. Heute morgen brauchte ich nur noch alles aufbauen, denn Beleuchtungskonzept, Bildaufbau etc, alles war schon fertig im Kopf.
21.07.2012 (Tag 111): Weiße Punkte auf roter Fläche. Weiße Punkte auf grüner Fläche. Roter Punkt auf grüner Fläche. Erst als ich manuell unscharf fokussierte, wurde das Gras zur grünen und der Ball zur roten Fläche.
22.07.2012 (Tag 112): Wenn man mit einem Auge immer nach den Kindern schauen muss, ist es schwer, ein Motiv zu finden. Man schleppt den ganzen Tag die Kamera herum und findet nur Motive, die sich dann doch als Sackgasse erwiesen. Aber Geduld wird dann doch irgendwann belohnt.
23.07.2012 (Tag 113): Im Treppenhaus bin ich heute auf diesen Blumentopf gestoßen. Vermutlich steht er schon länger dort, aber erst heute hat er mich angelacht. Blieb nur noch die Frage: Wieviel vom Fenster, Fensterbrett und Wand nehme ich mit auf das Bild? Am Ende habe ich mich für die XL-Variante mit angedeuteter Heizung entschieden. Eine Nahaufnahme nur mit dem Blumentopf wäre zu klassisch für dieses außergewöhnliche Motiv gewesen. Außerdem bringt die Wand das nötige Grün in dieses Pflanzenfoto.
24.07.2012 (Tag 114): Ich will mich weiter in Portraitfotografie üben. „Halbes Gesicht mit Sonnenbrille“ steht schon länger auf meiner Ideen-Liste. Als Beleuchtung entschied ich mich für eine Softbox, damit ich keinen dominanten Schatten des Brillenbügels im Gesicht habe. Die Softbox habe ich nah neben die Kamera gestellt, musste dann aber feststellen, dass sie sich in der Brille deutlich spiegelt. (Wen wundert’s?) Also habe ich auch Fotos gemacht, auf denen das Licht mehr von der Seite kommt und das Brillenglas reflexionsfrei bleibt. Letztendlich habe ich mich aber dann doch für ein Foto mit Reflexion entschieden, weil diese einen „Hingucker“ darstellt. Diesmal war es ein bisschen nervig, den richtigen Bildschnitt und Fokus zu finden. Bei einem Selbstportrait kann man halt nicht gleichzeitig durch den Sucher gucken. Am Ende hat es aber doch geklappt. Das Bild ist nicht nachträglich beschnitten worden. Am PC habe ich nur ein wenig mit Farben und Kontrasten gespielt und das Ganze weichgezeichnet um einen surrealen Charakter zu bekommen.
25.07.2012 (Tag 115): Auch diese Aufnahme ist inspiriert von dem Film „Restless“ von Gus Van Sant. Ich habe es gleich ausgenutzt, dass der Boden zur Zeit halbwegs trocken ist.
26.07.2012 (Tag 116): Seit gestern war klar, dass ich heute dieses Foto machen werde. Der Sommer ist endlich da. Wir wollen nicht klagen. Die Kabel und den Schrank im Hintergrund habe ich bewusst mit auf das Bild genommen. Sie sollen so eine Art Rahmen bilden.
27.07.2012 (Tag 117): Zunächst hatte ich heute keine Idee. Irgendwie fiel mir dann aber diese Kette in die Hände und ich wusste, dass ich mein Motiv gefunden habe. Als Beleuchtung wollte ich ein Setup probieren, dass ich die Tage in einem Video von Pavel Kaplun (wenn auch für einen anderen Effekt) gesehen habe: Softbox auf 9 Uhr, Silberreflektor auf 3 Uhr. Erst habe ich ein paar Frontal-Fotos gemacht und die Kette links und rechts auseinander gezogen. Die Bilder sind schon ganz gut, aber mein Körper war mir zu präsent und das Beleuchtungs-Setup war für diese Pose auch nicht so gut geeignet. Also habe ich Profil-Fotos probiert und das freie Ende der Kette an einem Lampenstativ (ohne Lampe) gleich neben der Softbox befestigt. Diesmal war ich zufrieden.
28.07.2012 (Tag 118): Unser Innenhof ist nun wirklich nicht schön: zugebaut und zugepflastert. Vom Fenster aus habe ich durch Zufall den schön gedeckten Tisch gesehen. Mir gefiel der Kontrast zu den Dächern und das „V“, das die beiden Dächer im Vordergrund bilden, in das der Tisch genau hereinpasst.
29.07.2012 (Tag 119): Ein kurzer Ausflug auf den Kinderbauernhof.
30.07.2012 (Tag 120): Das Teppenhaus des Gebäudes, in dem mein Atelier ist.
31.07.2012 (Tag 121): Wieder ein Foto, das von dem Buch „Schärfe Deinen Blick: Außergewöhnliche Portraitfotografie“ von Roswell Angier inspiriert ist. Im fünften Kapitel geht es um das Thema „Spähen: Voyeurismus und Überwachung“. Am Ende des Kapitels gibt es wieder praktische Übungsvorschläge. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich mit Portrait-Fotografie beschäftigt. Es behandelt alle Facetten der Portrait-Fotografie und nicht nur die Fotografie leicht bekleideter Damen im Fotostudio.
01.08.2012 (Tag 122): Ich habe mal eine Makro-Aufnahme probiert. Dabei besitze ich weder Makro-Objektiv noch Retro-Adapter. Die Aufnahme zeigt einen Schmetterlingsflügel. Ich habe das Objektiv falsch herum an die Kamera gehalten. Ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit und die Finger tun schon nach wenigen Minuten ganz schön weh. Ich habe bewusst das Streulicht, dass zwischen Kamera und Objektiv eindringt in Kauf genommen. Das macht die besondere Aura.

Projekt-Zwischenresümee

Der vierte Monat ist vorbei. Ich glaube, das war bisher mein bester Projektmonat. Die Bilder sind wieder mal sehr abwechslungsreich und ich habe einige Inszenierungen machen können. Insgesamt gab es diesen Monat relativ viele Tage, an denen ich auch Zeit und Ruhe für mein Projektfoto hatte. Aber ich hatte auch ein paar Abende, an denen ich nicht gut einschlafen konnte, weil ich in meinem Kopf schon das Foto für den nächsten Tag vorbereitet habe. Die Anzahl auf meiner Ideen-Liste bleibt konstant.

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