Fünfter Monat

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02.08.2012 (Tag 123): Das heutige Foto war aufwendiger, als ich dachte. Aber Bewegungen lassen sich schlecht ins Detail planen. Benutzt habe ich eine 6-fach Graufilter um bei Tageslicht auf Verschlusszeiten von 10 bis 15 Sekunden zu kommen. Zuerst wollte ich noch etwas unbewegtes und somit scharfes mit im Bild haben. Ich hatte mir für einen schwarzen Schirm dafür ausgesucht. Dann habe ich angefangen, den Schirm doch zu bewegen und zu drehen. Das hatte auch einen sehr interessanten Effekt, den ich wohl wann anders nochmal in diesem Projekt zeigen werde. Letztendlich habe ich mich für dieses Foto entschieden, bei dem nur ein schwarzes Tuch zum Einsatz kam.
03.08.2012 (Tag 124): Wie gestern angekündigt, heute ein Foto mit einem rotierenden schwarzen Schirm. Schaut aus wie ein schwarzer Lichtspot oder wie ein Schatten. Erinnert auch ein wenig ans Abwedeln aus der Analogzeit.
04.08.2012 (Tag 125): Heute habe ich am Wegrand Bäume gesehen, die mit Frischhaltefolie zusammengebunden waren. Ich weiß nicht, ob das vielleicht eine Kunstaktion war. Jedenfalls hat mir die Form sehr gefallen und ich bin unter die Bäume geklettert, um eine gute Aufnahmeposition zu finden. Zuerst habe ich zwei/drei scharfe Aufnahmen gemacht, die mir aber zu viele Details gezeigt haben (z.B. den Dreck, der sich auf der Folie angesammelt hat). Dann habe ich es mit Bewegung versucht und die Kamera auf die Folie zubewegt. Zwei Versuche und das Bild war im Kasten.
05.08.2012 (Tag 126): Der kleine Specht war mächtig aktiv. Nach einigen Versuchen ohne Stativ ist mir diese Gegenlichtaufnahme gelungen.
06.08.2012 (Tag 127): Ich stelle immer wieder fest, dass spielende Kinder lohnenswerte Fotomotive sind. Vor allem, wenn sie so sehr in ihr Spiel vertieft sind und nicht mitbekommen, dass sie fotografiert werden. Eine lange Brennweite war hier hilfreich.
07.08.2012 (Tag 128): Es war schon Abend und ich hatte immer noch kein Foto für mein Projekt machen können. Auf der Toilette wurde ich dann fündig. Allerdings gab es auch hier wirklich wenig Licht.
08.08.2012 (Tag 129): Heute war ich im Zoo. Genauer gesagt im Tierpark Ueckermünde. Dieser Nandu (Strauß-ähnlicher, flugunfähiger Vogel aus Südamerika) wartete auf Futter. Diese Aufnahme gefällt mir besonders, weil das Gegenlicht die Kopffedern schön zum Leuchten bringt.
09.08.2012 (Tag 130): Das einzige Foto, das ich am heutigen Tage gemacht habe. Der Baum ist aus Metall gefertigt. Ich habe versucht, ihn dennoch möglichst natürlich abzubilden. Man soll erst auf den zweiten Blick erkennen, dass er nicht echt ist.
10.08.2012 (Tag 131): Strohballen und Autoreifen. Ein Beispiel zum Thema Form-Symmetrie.
11.08.2012 (Tag 132): Das erste Foto im Projekt, dass in Ermangelung einer Kamera mit dem Handy fotografiert wurde. Die Gäste am Nachbartisch hatten nicht wirklich viel Freude an ihrem Frühstück im Cafe – und die Bedienung bestimmt auch nicht beim Abräumen.
12.08.2012 (Tag 133): Ein Besuch beim Museumsfest im Ukranenland..
13.08.2012 (Tag 134): Mitten im Wald, ohne dass ein Weg erkennbar ist, steht eine Straßenlaterne. Die Form gleicht denen der Bäume. Jedoch war es schwierig, sie richtig ins Bild zu setzen, ohne plakativ zu sein. Ich wollte den Wald, das Fehlen des Weges und die Formsymmetrie zeigen – und natürlich die Laterne. Festes Schuhwerk wäre hilfreich gewesen.
14.08.2012 (Tag 135): Diese Aufnahme ist in Luckow entstanden. Dort gibt es eine sehr gut erhaltene Fachwerk-Kirche. Um die Verschlafenheit des Ortes zu zeigen, habe ich mich entschieden, den Schwerpunkt auf die beiden Häuser am Ortseingang zu legen und die Kirche nur im Hintergrund zu zeigen.
15.08.2012 (Tag 136): Eine alte Werkhalle. Ich bin kurz vor dem Abendessen hingegangen um schöne, lange Schatten zu bekommen.
16.08.2012 (Tag 137): Ordnung vs. Unordnung bzw. ganz vs. kaputt. Das abgewickelte Band hat meine Aufmerksamkeit erregt.
17.08.2012 (Tag 138): Deckenbeleuchtung. Kurz vorm Zubettgehen hat mich das Linienspiel an der Decke inspiriert ein Foto zu machen. Es gefällt mir so gut, dass ich mich entschieden habe, es heute zum „offiziellen Projektfoto“ zu küren und nicht ein anderes.
18.08.2012 (Tag 139): Auf dem Anwesen von Schloss Ludwigsburg. Das Schloss sieht auch nicht mehr aus, wie in seiner Blütezeit. Es gibt jedoch Bewohner, die versuchen, das Anwesen vor dem totalen Zusammenfall zu bewahren. Auf diesem Foto kommt für mich dieser Kampf gegen Windmühlen am besten rüber.
19.08.2012 (Tag 140): Heute war wieder mal so ein Tag, an dem schon vorher klar war, dass nicht viel Zeit zur Motivsuche sein wird und ich auch nicht mal eine halbe Stunde für mein Projekt „ausbrechen“ kann. Außerdem war es so tierisch heiß, dass man sich am liebsten gar nicht bewegen mochte. Okay, es war klar, dass heute Traktorfahren angesagt war. Die Kamera immer dabei, wollte ich also ein Motiv an diesem Traktor finden, dass man nicht schon tausend Mal von einem Traktor gesehen hat. Die Gummi-Fitzelchen (Wie nennt man die?) am Reifen fand ich schon alleine wegen der Menge interessant. Also, Blende auf und dann ein paar aus der Masse rausgreifen. Zuerst fand ich dieses Foto langweilig, aber mit der Zeit gefällt es mir nun doch ganz gut.
20.08.2012 (Tag 141): Die nächsten Tage werde ich wenig Zeit haben, außerhalb meines Alltags auf Motivsuche zu gehen. Heute habe ich den Fußboden nach Motiven in meinem Atelier abgesucht. Die Reihe der Rollen unter meinen Tischen gefiel mir. Die Umsetzung folgt dem gleichen Prinzip wie gestern: Mit einer kleinen Schärfentiefe picke ich eine Rolle heraus. Auch der Hintergrund gefiel mir wegen seiner symmetrischen Formen sehr gut.
21.08.2012 (Tag 142): Eine Wanne mit Bauklötzen. Ein paar wenige Bauklötze haben Löcher. Runde Formen ziehen viel mehr Aufmerksamkeit auf sich als eckige. Ich habe diese Gegebenheit durch die selektive Schärfe noch weiter „auf die Spitze“ getrieben. Man schaut bei diesem Bild einfach immer wieder automatisch auf die Kreise, oder?
22.08.2012 (Tag 143): Während meines Urlaubs ist leider eine meiner Büro-Pflanzen vertrocknet (trotz Hydrokultur). Der Bildvordergrund zeigt das braune Tote, der Hintergrund das grüne Lebende.
23.08.2012 (Tag 144): Heute habe ich meine Atelier-Decke nach Fotomotiven abgesucht – also den Blick einfach mal nach oben gerichtet. Dabei bin ich auf dieses Motiv gestoßen. Vielleicht muss man es erklären: Ich habe von einer Schule einen ausgestopften und schon leicht abgerockten Alligator (siehe Foto vom 18.05.) geerbt, der sonst in der Tonne gelandet wäre. Dieser steht bei mir auf einer von der Decke herunterhängenden Neonlampe, damit er nicht immer im Weg ist. So schaut das Ganze von unten aus.
24.08.2012 (Tag 145): Ein Freund hat mir seine Tabletop-Hohlkehle vermacht. Ich habe das Ding noch nie ausgepackt. Heute war es soweit, denn ich wollte den nicht mehr ganz so schönen Apfel aus meiner Frühstücksbox fotografieren. Zwei (Schreibtisch-)Lampen sind auch dabei. Die machen eigentlich weißes Licht. Die Hohlkehle ist auch weiß. Ich habe keine Ahnung, woher der violett/grüne Farbstich auf dem Hintergrund kommt. Das ruft nach weiteren Experimenten.
25.08.2012 (Tag 146): Heute lachte mich diese Wassermelone an, als ich in den Kühlschrank schaute. Die Kühlschrankbeleuchtung spiegelte sich in der Frischhaltefolie, in die die Melone gewickelt war. Die Oberfläche der Melone wirkte durch die Folie künstlich. Also habe ich gleich versucht, diese Mischung aus Natur und Plastik einzufangen. Dazu habe ich das gute Stück auf den Esstisch nahe ans Fenster gelegt. Das Fensterkreuz lenkt den Blick auf die Kerne. Auch hier soll Natur und Kunststoff kombiniert werden, denn ohne die Frischhaltefolie gäb es keine Spiegelung des Fensters und damit auch keine Führungslinien zu den irgendwelchen Kernen.
26.08.2012 (Tag 147): Armut in Hamburg. Momentan werden viele Spielplätze in unserem Stadtteil von bulgarischen Mitmenschen als Schlafstadt missbraucht.
27.08.2012 (Tag 148): Auf der Suche nach einem Motiv bin ich in meinem Atelier auf diese sechs Klemmen gestoßen. Nach einem symmetrischen Foto war es mir heute nicht, also habe ich die Klemmen wild ineinander gesteckt. Die einzige Schwierigkeit war hierbei, dass man später auf dem Foto nicht den Aufdruck mit dem Herstellerlogo sieht. Ich habe verschiedene Bildschnitte probiert. Der enge gefällt mir am besten.
28.08.2012 (Tag 149): So ganz nebenbei festgestellt: Die Oberfläche des Butterbrotes ähnelt der der Granit-Fensterbank. Das wollte ich festhalten.
29.08.2012 (Tag 150): Ich habe vor kurzem das Buch „Fotografische Lichtgestaltung“ von Eib Eibelshäuser gelesen. Darin geht es u.a. um Schattenverläufe. Den schönsten Schattenverlauf gibt es auf Kugeln zu beobachten. Ich habe mich heute für Ringe entschieden. Eigentlich handelt es sich um profane Gewebe-Klebeband-Rollen. Ich habe drei Stück mit unterschiedlicher Farbe und Oberflächenstruktur übereinander und ans Fenster gelegt und von der Seite fotografiert.
30.08.2012 (Tag 151): Das heutige Bild zeigt den Werkraum in einer Schule. Dort hängen Werkzeuge in mehrfacher Ausführung nebeneinander. Ein Paradies, wenn man auf der Suche nach Symmetrien ist. Ich habe mich für eine Folge alter Schraubstöcke entschieden, die von dem regen Gebrauch über die Jahrzehnte gezeichnet sind.
31.08.2012 (Tag 152): Das Foto zeigt Kränze, die von Gläsern oder Tassen auf einer Tischoberfläche stammen. Um eine grafische Wirkung zu bekommen, habe ich mich für eine geringe Schärfentiefe entschieden und die Umwandlung nach schwarz/weiß.
01.09.2012 (Tag 153): Als ich mit dem Auto an dem „Süper Angebot“ vorbei fuhr, war mir schon klar, dass ich mein Tagesmotiv gefunden habe und ich ein paar Stunden später nochmal zu dem Imbiss muss – zum Fotografieren, nicht zum Speisen. Das Bild ist ein Ausschnitt. Ich habe um stürzende Linien zu vermeiden, den gesamten unteren Teil des Gebäudes mitfotografiert und konnte die Kamera gerade und nicht nach oben halten. Am PC habe ich den unwichtigen unteren Teil wieder abgeschnitten.

Projekt-Zwischenresümee

Der fünfte Monat ist vorbei. Ich nähere mich der Halbzeit. Dieser Monat war ziemlich das Gegenteil des Monats davor. Ich hatte wirklich wenig Zeit, mich um mein Projekt zu kümmern und so sind die meisten Bilder eher unter Druck entstanden. Letztendlich war aber auch damit zu rechnen, dass es solche Monate geben wird und es wird wohl auch nicht der letzte sein. Jedenfalls ist es ja auch Sinn und Zweck des Projektes, Motive in seinem unmittelbaren Umfeld zu finden. Motive, die man sonst nicht wahrnimmt, weil sie zum Alltag gehören. Ich habe inzwischen festgestellt, dass ein kleiner Schritt zur Seite auf dem Weg zur Arbeit, den Blick auf das „Normale“ verändern kann. Außerdem hilft es Bücher oder Zeitschriften über Fotografie zu lesen, neue Ideen zu bekommen.

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