Siebter Monat

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02.10.2012 (Tag 184): Heute ist Projekt-Halbzeit. Deshalb gibt es heute einen halben Tamburin. Die Tommelgruppe „Friendship“ vom Wochenende hat immer noch nicht ihr Zeug abgeholt. Entstanden ist das Foto wie folgt: In der einen Hand das Tamburin, in der anderen die Kamera. Einen ruhigen Hintergrund gesucht, Luft anhalten und los.
03.10.2012 (Tag 185): Heute haben wir bei meinem Schwager ca. 400 Liter Apfelsaft gemacht. Natürlich ist da mein Tagesfoto ein Bild von Äpfeln.
04.10.2012 (Tag 186): Der kleine Falter ist mir vor zwei Tagen schon auf dem WC aufgefallen. Er hat sich seitdem keinen Millimeter bewegt. Hat er keinen Hunger?
05.10.2012 (Tag 187): Eine Blumenvase auf einer karierten Serviette. Ich habe mit scharfen Fotos angefangen, die dann aber doch total langweilig waren. Also habe ich versucht mit Bewegungsunschärfe ein wenig mehr Dynamik ins Bild zu bekommen.
06.10.2012 (Tag 188): Im Gewürzmörser liegen Schokokugeln, weil die Tüte gerissen war. Mir gefällt der Kontrast zwischen der glatten Oberfläche der Schokolade und der rauhen des Mörsers. Am PC habe ich zusätzlich noch den Helligkeitskontrast hochgeschraubt.
07.10.2012 (Tag 189): Solch ein schönes Treppenhaus findet man nicht alle Tage. Ich habe mich für ein quadratisches Bildformat entschieden, weil die Decke am rechten Bildrand leider überhaupt nicht schön ist. Um die linke Kurve des Geländers nicht abschneiden zu müssen, habe ich den Leuchter außerhalb der Bildmitte positionieren müssen, was mir aber sehr gut gefällt.
08.10.2012 (Tag 190): Der Blick durch ein Stereoskop auf die alte Norderelbbrücke in Hamburg. Die Gegenwart ist unscharf, die Vergangenheit scharf.
09.10.2012 (Tag 191): Heute gibt es nochmal ein Foto vom Stereoskop, weil ich es gerade gestern in den Fingern hatte. Sowohl im Kino, beim Fernsehen und auch in der Fotoindustrie ist 3D ein Wachstumsmarkt. Leider weiß ich nicht, wie alt mein Stereoskop ist, aber ohne viel Technik funktioniert es einfach und das vielleicht schon seit 100 Jahren. Für das Foto habe ich einen Großteil der dazugehörigen Bilder auf einem Tisch ausgebreitet, den ich an ein Fenster geschoben habe. Die meisten Fotos sind S/W, manche Sepia, einige wenige nachkoloriert. Die Farbe spielt für mein Foto keine Rolle. Deswegen habe ich es auch nach S/W umgewandelt.
10.10.2012 (Tag 192): Ich war bei meiner täglichen Motivsuche schon wieder fast auf dem Weg in die Werkstatt, als mein Blick auf die Wasserkränze auf dem Tisch viel. Daneben lagen drei Lutscher, für die ich schon seit Wochen einen Abnehmer suche. Einer der Lutscher hat eine runde Form und passt daher zu den Wasserflecken. Mit einer Styroporplatte, die ich über meinen Kopf gehalten habe, habe ich versucht die Reflexionen der Neon-Deckenbeleuchtung fernzuhalten. Den Stiel des Lutschers habe ich so gedreht, dass er eine aufsteigende (und damit positive) Linie erzeugt und den Blick des Betrachters in das Bild zieht.
11.10.2012 (Tag 193): Ich habe einen Heizlüfter. Der ist nicht wirklich schön. Trotzdem wollte ich ich versuchen, ein Foto von ihm zu machen. Es lag also Nahe, irgendwas mit Verwacklungen zu versuchen. Am dominantesten ist bei einem Heizlüfter das Schutzgitter vor dem Gebläse. Dieses besteht bei meinem Gerät aus langen vertikalen „Stäben“. Bei meinen Verwacklungsversuchen bin ich mit der Kamera die Stäbe nachgefahren. Das Ergebnis hat etwas monumentales und erinnert an ein Hochhaus. Das fertige Bild habe ich um 180 Grad gedreht, um diesen Eindruck zu verstärken.
12.10.2012 (Tag 194): Esther braucht Business-Fotos für’s Firmen-Intranet. Ein dankbares Opfer für mein 365-Tage Projekt also.
13.10.2012 (Tag 195): Nina braucht Fotos für eine Projekt-Arbeit über Manager-Trainings mit Pferden. Den heutigen Vormittag durften wir auf der Koppel ihres Dozenten verbringen. Das Wetter war herrlich und mir blieb genügend Zeit auch ein paar schöne Fotos von Pferden zu machen. Als Tagesfoto habe ich nun dieses ausgewählt, weil ich das Gegenlicht-Schimmer mag. Dass das linke Pferd oben abgeschnitten ist, stört mich nicht, weil es eh im Unschärfebereich liegt.
14.10.2012 (Tag 196): Nächste Woche ziehen wir um. Das wird wohl die größte Herausforderung für mein Projekt. Hoffentlich finde ich meine Kamera wieder. Hoffentlich denke ich jeden Tag daran, ein Foto zu machen. Das Umzugsunternehmen hat jedenfalls schon die Schilder aufgestellt.
15.10.2012 (Tag 197): Eine einfache Tischdecke auf einem Tisch. Gerade von oben wäre sie ein langweiliges Motiv gewesen. Deswegen habe ich einen flachen Bildwinkel gesucht und versucht (ge- und versucht) möglichst das Bildfeld komplett auszufüllen.
16.10.2012 (Tag 198): Der Herbst zaubert wieder mal schöne Farben an den Bäumen. Diese Bäume leuchten in einem knalligen Gelb. Durch die Umwandlung nach S/W bekommt das Bild jedoch einen interessanten Infrarot-Eindruck.
17.10.2012 (Tag 199): In unserem Stadtteil gibt es diverse türkische Bäckereien. In einer, die ein wenig progressiver ist, gibt es jedoch Vollkorn-Fladenbrot und sogar Cappuccino. Letzterer ist bekanntlich italienisch und nicht türkisch. In der Bäckerei wird er jedoch stilecht in einer Cappuccino-Tasse serviert. Der dazu gereichte Löffel aber wiederum ist für mich eher türkisch. Ich musste diesen Ländermix-Cappuccino einfach festhalten.
18.10.2012 (Tag 200): Rote Blumentöpfe auf grüner Wiese vor grüner Hecke. Früher war S/W-Fotografie ganz leicht: Den S/W-Film seines Vertrauens eingelegt und los. Heute muss man sich am PC Gedanken machen, wie man aus der farbigen RAW-Datei ein angemessenes S/W-Bild bekommt. Tausend verschiedene Hebel kann man dabei betätigen, jeden Farbkanal einzeln bearbeiten etc. Damit kann man genau soviel Zeit verbringen wie damals in der Dunkelkammer.
19.10.2012 (Tag 201): Heute sind wir mit unseren Jungs mal wieder zur Krabbelgruppe gegangen – weil es dort eine warme Mahlzeit für alle gibt. 😉 Das Spielzimmer dort lädt mit seinen klaren Farben und Formen nicht nur zum spielen ein…
20.10.2012 (Tag 202): Ich musste im Garten ein paar Bretter zurecht sägen. Dabei flogen Sägespäne in ein Spinnennetz. Die Sonne brachte diese zum Leuchten.
21.10.2012 (Tag 203): Die gleiche Windmühle wie auf dem Foto vom 15. Juli. Diesmal aber von der anderen Seite und mit Herbstlaub. Ich habe dieses schöne Motiv bereits gestern entdeckt, aber für heute aufgehoben. Ich habe gewartet, bis die Sonne schon tief stand und bin dann los um dieses Foto zu machen. Dabei sind auch Fotos ohne den Stein im Vordergrund entstanden. Diese zeigten mir aber zu wenig Tiefe im Bild.
22.10.2012 (Tag 204): Ein Bild, das aus der Not heraus entstanden ist. Heute ging’s ziemlich rund und es blieb keine Zeit zum Fotografieren. Als es schon dunkel wurde, lief ich fast gegen diese Herbstdekoration. Zeit blieb wenig. Darum habe ich schnell die Kompaktkamera herausgeholt und abgedrückt.
23.10.2012 (Tag 205): Das Motiv ist ein Wirbelknochen eines Walfisches. Der Knochen ist schon etwas älter und aus dem Fundus einer Schule. Hübsch ist er auch nicht. Trotzdem wollte ich ihn irgendwann einmal fotografieren. Heute habe ich mir die Zeit genommen, um eine interessante Perspektive zu finden.
24.10.2012 (Tag 206): Heute bin ich mal wieder zum „Wischen“ raus. Eigentlich wollte ich die bunten Blätter der Bäume verwischen, aber wegen des Regens habe ich mich nicht so lange draußen aufhalten wollen. Das farbige Foto ist ziemlich bunt und unruhig. Durch die Reduktion auf S/W bekommt es eine grafische Wirkung.
25.10.2012 (Tag 207): Beim Betreten des Raumes sind mir gleich die Hochglanz lackierten Tische aufgefallen. Die tief stehende Sonne schien durch das Fenster und ich wollte gleich die Reflexion des Fensters auf dem Tisch einfallen. Eigentlich hatte ich etwas anderes gesucht, aber man muss flexibel sein.
26.10.2012 (Tag 208): Auf dem Weg zum Büro schien mir die Sonne ins Gesicht und auf dem Kanal lag ein Nebelschleier. Ich musste nur kurz überlegen, dann bin ich umgedreht und habe dieses Foto gemacht. Die Farbaufnahme ist auch sehr schön in Gelb/Grün Tönen. Bei dem S/W-Bild wirken die Kontraste jedoch besser.
27.10.2012 (Tag 209): Die Problematik des heutigen Bildes: Die Tiere stehen in der Mitte der Weide. Kurz hinter dem oberen Bildrand befindet sich eine stark befahrene Straße. Die wollte ich natürlich nicht mit auf dem Foto haben. Der Bildausschnitt wurde also so gewählt, dass die Hauptmotive sich an den Bildrändern befinden.
28.10.2012 (Tag 210): Beim Warten auf dem Spielplatz fing ich selber an zu spielen. Das Foto ist um die Mittagszeit entstanden. Die Sonne steht im Herbst schön tief und macht lange Schatten.
29.10.2012 (Tag 211): Ein minimalistisches Motiv. Es handelt sich um einen Fernseher (aber das ist eigentlich egal).
30.10.2012 (Tag 212): Ich war den ganzen Tag beruflich stark eingebunden. Auf dem Weg nach Hause war es schon dunkel. Zeit also die Kamera einfach mal in die Luft zu werfen – „Camera Tossing“ nennt man das. Ich habe meine Kamera einfach am Schultergurt baumeln lassen.
31.10.2012 (Tag 213): Heute ließ mir wieder der Job keine Zeit für ein Foto. Bevor ich das Büro verließ, stieß ich auf eine Stellwand. Dort hatte jemand einen Smiley angepinnt. Das muss für heute reichen.
01.11.2012 (Tag 214): Eine ukrainische Wohnzimmerlampe von unten. Ich mag die Schatten und Sterne. Hat schon etwas Weihnachtliches.

Projekt-Zwischenresümee

Auch den siebten Monat habe ich geschafft. Bisher war dies der anstrengendste. Es gab viel im Beruf zu tun und „nebenbei“ sind wir auch noch mit der Familie umgezogen. Trotzdem habe ich durchgehalten. Trotzdem habe ich Fotos produziert, mit denen ich sehr zufrieden bin. Ohne mein Projekt hätte ich diesen Monat wahrscheinlich meine Kamera gar nicht zur Hand genommen (außer, dass ich sie in einen Umzugskarton geräumt hätte). Diesen Monat habe ich mehr Fotos mit meiner Kompaktkamera gemacht – weil die immer dabei ist. Außerdem habe ich wieder mehr S/W Bilder gemacht. Vielleicht hilft mir das Projekt ja, noch meinen Frieden mit der digitalen S/W-Fotografie zu finden. Die Suche nach einem Motiv fällt momentan relativ leicht. Auf meine Ideen-Liste vom Anfang des Projektes habe ich schon lange nicht mehr draufgeguckt. Mit der Frage, was eigentlich nach meinem Projekt kommt, bin ich immer noch nicht weiter gekommen. Ende November sollte mein Alltag wieder ruhiger werden. Dann will ich mich erneut damit beschäftigen.

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